Szenen einer Ehe
• • • •   (bewertet mit 4 von 5 Punkten)

Alle meine Rezensionen ansehen
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (TOP 100 REZENSENT)    Rezension bezieht sich auf: Alles über Sally: Roman (Gebundene Ausgabe) Eine nicht mehr ganz junge Ehe. Sally ist zweiundfünfzig, Alfred siebenundfünfzig. Sie haben drei Kinder und ein intaktes soziales Umfeld. "Eine Idylle des bürgerlichen Beziehungswahnsinns"? - Nein. Ganz beiläufig und doch in hoher Intensität erzählt Arno Geiger von Szenen einer Ehe, von abenteuerlichen Begebenheiten einer Beziehung, wie sie wohl alltäglich sind. Aber in Geigers Roman in den Befindlichkeiten der Partner exemplarisch dargestellt werden.

Den starken Part hat Sally übernommen. Nicht ohne Grund heißt das Buch "Alles über Sally". Nach den etwas lebhaften frühen Jahren der Ehe mit Alfred - nach dem Aufbruch in die Gemeinsamkeit, den interessanten Jahren in Kairo, hat Gewohnheit und Gewöhnlichkeit in der Beziehung überhand genommen. Sallys Unterhosen und Alfreds Thrombosestrumpf haben mehr Bedeutung in der gegenseitigen Aufmerksamkeit als der gemeinsame Sex. Wobei Alfred - vielleicht weil er Sally fast ohne Einschränkung liebt, eindeutig der schwächere ist. Nicht nur in der Beziehung. Sein "Leben" spielt sich eher in Tagebüchern ab, die mit fast manischer Präzision tagtäglich führt. Und so kommt Alfred auch in Geigers Roman etwas blass und farblos daher.

Es kommt, wie es kommen muss: Sally verliebt sich in den Nachbarn Erik. Es gibt ein paar amouröse Treffen. Beide genießen den Sex miteinander - was Sally nicht hindert, weiterhin zumindest ab und an mit Alfred zu schlafen. Und Erik: Er betrügt nicht nur seine Frau Nadja, sondern auch Sally - mit einer jungen Russin mit Kind.

Sally erträgt diesen "Betrug" erstaunlich cool. Anders als wir es aus der Literatur gewöhnt sind - seit Fontane, Tolstoi und anderen. Und am Ende findet sie statt: die Rückkehr zu Alfred, den sie eigentlich nie und in keiner Weise verlassen hat -die Rückkehr in den "bürgerlichen Beziehungswahnsinn".

Nicht alles ist dem Träger des Deutschen Buchpreises von 2005 Arno Geiger in diesem Roman gelungen. Manches - wie viele Alltagsszenen - sind etwas klischeehaft, während Geiger in anderen zu literarischer Hochform aufläuft. Besonders die Begegnungen mit dem Ehebruch-Partner sind stark. Und auch Alfred bekommt noch seinen grandiosen Auftritt in diesem Roman - mit dem Monolog am Schluss des Buches, der ein wenig an den Monolog von Molly Bloom im "Ulysses" von James Joyce erinnert.

Ein Buch mit viel Licht und ein wenig Schatten, das den Leser nicht nur unterschwellig zur Reflexion zwingt, sondern und vor allem hervorragend unterhält.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 19. Februar 2010
Kundenrezensionen:
3. Szenen einer Ehe (die aktuell angezeigte Rezension)
2. "Ein Tag Honig, ein Tag Zwiebel" S316
1. Manche Dinge ändern sich nie
Zur Übersicht ...
 
Angebote zu
 ab 1 Euro!

Siehe auch folgende Artikel:
Es geht uns gut: RomanDer alte König in seinem Exil
Es geht uns gut: Roman
Anna nicht vergessen
Es geht uns gut: Roman
Anna nicht vergessen
Kleine Schule des Karussellfahrens: Roman
Mehr zu  Gegenwartsliteratur
Home ...,    
,    Begleitseite ...
Herausgeber dieser Seite ist DomainLoc.com GmbH - Partner von
The domain name doppelzimmer.net is for sale or rent! For more information look at DomainDorado.com ...

Copyright © DomainLoc.com GmbH (Impressum)